You are currently browsing the monthly archive for Februar, 2007.

Was soll ich als Schalker dazu sagen?
Am besten gar nichts. Denn was auch immer ich sage, ich tret hier im Rhein-Main-Gebiet immer jemandem auf die Füße.

Mein Trip zum Autohaus heute hab ich ja bereits erwähnt. Dass sich eben dieses in Offenbach, also wenn es nach meinem Mann ginge – geht es ja zum Glück nicht so häufig… – im heutigen Feindesland befindet, sollte erwähnt werden.

Und das vorherrschende Thema bei Angestellten und Besuchern war natürlich das bevorstehende Duell der Großmächte. Und diei daraus resultierende Verkehrssituation im Umfeld des Autohauses. Schließlich ist das Autohaus kurz vor dem Bieberer Berg…

Also hieß das für mich: möglichst unauffällig bleiben. Sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen. Als kritische dritte Partei kann man da in diesen Tagen nur verlieren.

Gleiches Gefühl dann bei der Rückkehr nach Hause. Was, wenn man sich fan-technisch nicht so engagieren möchte, um den häuslichen Frieden nicht zu gefährden? Oder sollte ich es einfach mal wagen und lauthals für Offenbach sein? Einfach mal so? Und gucken, wie mein Mann reagiert?

Ob die Couch bequem genug ist für ein paar einsame Nächte?
Sind getrennte Schlafzimmer nicht in vielerlei Hinsicht eine Lösung?

Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Heute war ich beim TÜV. In dem Fall war ich bei der Niederlassung meines Autohändlers und habe dort die Abnahme machen lassen. Da das ganze nur eine Stunde dauerte, entschied ich mich zu warten.

Mit mir saßen dort noch zwei andere, ältere Ehepaare. Eins davon war sehr redselig. Und was könnte schöner sein, als Menschen zuzuhören, wenn sie sich lautstark im Wartebereich eines Autohauses unterhalten.

Sie: “Haste gesehen?” Hält ihm die Frankfurter Rundschau hin.
Er: “Ne, wie denn. Ich hab keine Brille auf.”
Sie: “Dachte, Du hättest das gesehen.” Nimmt die FR wieder weg.
Er: “Ne, sach ich doch, ich hab keine Brille auf.”
Sie: “Hätte ja sein können.”

Stille.

Sie: “Guck mal hier.” Hält ihm wieder die Zeitung hin.
Er: “Watt denn?”
Sie dreht die Zeitung zu sich, schaut, ob noch alles an Ort und Stelle ist und hält ihm die Seite wieder hin: “Na, hier!”
Er: “Ich sach doch, ich hab keine Brille auf.”

Stille.

Sie: “Wofür die allet Werbung machen…”
Er: “Watt meinsten?”
Sie: “Na, die hier!” Hält wieder die Zeitung hoch.
Er schaut leicht genervt.

Sie: “Reien-Ähr. Son Fluchanbieter.”
Er: “Und watt sagen die?”
Sie: “Is zu kompliziert für uns. Is nur Fluch.”
Er: “Datt sagen die?”
Sie: “Nee.”

Stille.

Sie: “Bis März kostet datt nur ganz wenig in Europa.”
Er: “Watt?”
Sie: “75 % Rabatt auf die 50%.”
Er: “Häh?”
Sie: “Na, datt is dann… Na, wenig eben.”
Er: “Und watt kost so wenig?”
Sie: “Na fliegen in Europa. London. Paris. Venedig.”

Stille.

Er: “Datt taucht nix.”
Sie: “Watt meinste?”
Er: “Na, datt is nix, das mit der Werbung.”
Sie: “Warum?”
Er: “Wo fliegen die hin?”
Sie: “Na, Palma auch. Und Verona. Oslo.”
Er: “Turin?”

Stille.

Sie: “Nee, Turin nich.”
Er: “Siehste. Sach ich doch. Taucht nix.”

Machst Du für Partys immer mindestens einen Salat, bist eine Stunde früher da und hilfst dem Gastgeber beim Gläser aufstellen?

Fühlst Du dich besonders gut, wenn Du auf einer Party mit immer den gleiche Leuten rumhängst, hinter einem scheinheiligen Lächeln versteckt über die anderen Mädels lästerst?

Fühlst Du dich unglaublich beliebt, nur weil Du mit den üblichen zehn Leuten sieben Stunden abhängst?

Fängst Du irgendwann an, Discofox zu tanzen und alberst blödsinnig mit den anderen Tänzern rum?

Gehören anders denkende Menschen seltener zu deinen Gesprächspartnern?

Wenn Du drei der oben angeführten Fragen mit “Ja” beantworten kannst, bist Du ein Darling. Ein Liebling, der auf jedem Geburtstag gern gesehen ist, der jede Party mit seiner Laune aufhellt und immer eingeladen wird, weil Du fürs Essen sorgst. Ok, das, was Du erzählst, wird wahrscheinlich keine Sau länger als eine Minute behalten oder sich mal intensiv mit dir beschäftigen. Warum auch. Ein Darling darf nicht anecken, beäugt Menschen, die anecken, mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu und versucht alles, diese interessanten Menschen zu umgehen.

Warum? Keine Ahnung. Interessiert mich auch nicht. Denn dann hätte ich vielleicht weniger zu lästern.

Oder anders ausgedrückt: Karneval. Was für mich das absolute Fremdwort ist. Auch, wenn ich mir noch so viel Mühe gebe, kann ich einfach nicht mitschunkeln, mitsaufen oder sinnentleert merkwürdige Lieder mitgrölen.

Ja, ich gebe zu: ich bin ein Fassenacht-Muffel, ein Karnevals-Ätzer, ein Schunkel-Verweigerer. Dieser Akt, in dem jeder Variante des guten Geschmacks abgeschworen wird, geht einfach nicht an mich. Cowboy und Indianer, inklusive pantomimischer Beteiligung, ist einfach nicht meine Welt.

Die Steigerung der Marterpfahl-Gestik ist für mich dann nur noch ein “auf der Theke tanzen” von Möchtegern-Diskoretten. Gegenseitig bringt man sich die hochkomplizierten Abfolgen von Tanzschritten zur Musik diverser degenerierter Schlagersadisten bei und fängt, falls man versagt, arhythmisch das Klatschen an.

Penetrantes Hände klatschen ist ja ein Phänomen, das ich nie verstanden habe: sobald auch nur zwei Takte eines beliebigen Liedes einer austauschbaren Gruppe auf ein feierwütiges Publikum treffen, fängt dieses an zu klatschen. Immer schön kurz am Takt vorbei. Grausam. Unabhängig der Natur der Musik.

Und sei es die 5. Sinfonie von Beethoven. Ta ta ta taaa. So, mitklatschen, bitte.

klassenfoto.jpg

In den letzten zwei Wochen gehen merkwürdige Dinge vor: verschütt gegangene Bekannte tauchen auf und ab und zu. Bei mir fing es mit einer alten Schulkameradin aus den ersten vier Jahren meiner staatlichen Bildungslaufbahn an. Über das XING Netzwerk, vielen von uns noch als OpenBC bekannt, kam die kurze, aber herzliche “Hallo, viele Grüße aus England”-Nachricht.

Und, schwupp, ist man konfrontiert mit alten Geschichten, verblassten Erinnerungen, die vor dem Auge an Farbe gewinnen und mitten drin in einer Zeitreise.

Schön ist es dann, wenn man darüber hinaus plötzlich Themen findet, die auch in der Gegenwart verbinden. So bekommt die Zeitreise ein Ziel, dass nicht 25 Jahre vorher schon erreicht wurde, sondern vielleicht erst in weiter Zukunft. Das angedachte Klassentreffen ist da nur ein Anfang.

Wie die anderen wohl aussehen mögen? Was machen sie beruflich, privat? Wohnen sie noch immer im Stadtteil und schicken mittlerweile ihre eigenen Kinder in die alte Grundschule? Oder haben sie sich auch aus den alten Seilschaften befreit und sind ihren Weg gegangen? So wie die alte Schulkameradin, die vor 13 Jahren auf die Insel ausgewandert ist.

Und sicher hat sie von ihrem Leben dort genau so viel zu erzählen, wie andere, die sich grade den neuen Jägerzaun für das Eigenheim gekauft haben. Gibt es in England eigentlich auch Jägerzäune? Na, das ist wieder mal eine andere Frage.

Weltmeister. Ok, es ist ein bisher viel zu wenig beachteter Sport – Handball. Aber wen interessierts? Wir haben unsere Ehre zurück, die uns im Sommer genommen wurde und müssen uns nun endlich nicht mehr den “Weltmeister der Herzen” nennen.

Ob die normalen Zuschauer, diejenigen, die nicht zu den Sportassen gehören und sich grade eben mit den Regeln des Fußballs arrangiert haben, auch nur ein bißchen wissen, wie dieser Sport funktioniert? Also, ich persönlich so überhaupt nicht. Klar, man wirft Tore. Klar, man spielt sich Bälle zu. Aber ich kann nicht nachvollziehen, was ein Foul ist und was nicht. Und ab wann ein Zeitspiel angezeigt wird (und wann nicht).

Aber egal. Wir sind Weltmeister. Und ganz Deutschland ist im Freudentaumel. Sogar Hubkonzerte hat es gegeben. Vereinzelt, aber doch hörbar.

Hauptsache, die Popelbremse kommt nun nicht dauerhaft in Mode. Diese Haarwüchse im Gesicht von Männern sind nicht schön. Und schon seit den 80ern aus der Mode. Jaja, die 80er. Aber die wären jetzt wieder ein anderes Thema.

Lucky#Slevin – ein sehr kurioser Film. Genialer Style und schön-krasse Story.

Junger Mann erlebt einen echt miesen Tag: Job weg, Freundin weg, Wohnung weg. Wohin? Zum Kumpel in eine andere Stadt. Der ist aber vom Erdboden verschwunden. Zum Überfluss wird der junge Mann ausgeraubt, die Nase gebrochen und eine Menge böse Buben halten den vom Schicksal geplagten Kerl auch noch für den Verschwundenen, der zu allem Überfluss scheinbar einen Haufen Schulden bei ein paar Gangstern hat.

Die Wendung im Film ist leider so überraschend, dass ich sicherlich keine nähere Inhaltsangabe hier posten kann, ohne den Zorn aller derer auf mich zu ziehen, die den Film noch sehen möchten.

Aber kurz gesagt: selten einen so guten Bruce Willis gesehen, einen so smarten Josh Hartnett (ok, immer noch sehr hühnerbrüstig, aber auch sehr feinsinnig) und keine bessere Besetzung der Bandenbosse als mit Morgan Freeman und Ben Kingsley. Sehr genial. Und meine absolute Top-Besetzung: Lucy Liu, die abgedreht charmant den weiblichen Columbo mimt.

Wer jedoch erwartet, nach 20 Minuten den Film zu verstehen, dies dann nicht tut und entnervt abschaltet, dem sei gesagt: Du hast es nicht besser verdient.

Noch ein Film, der sich in mein Gedächtnis gefressen hat, ist Five Fingers. Ein böses, kammerspielartiges Thriller-Drama um Gut und Böse. In diesem Fall Ryan Phillip als Geschäftsmann, der in Marokko ein neues Nahrungsmittelprogramm vorstellen möchte und Laurence Fishburn, der als islamischer Fundamentalist foltert und Finger um Finger des Opfers abschneidet, um an sein Ziel zu gelangen.

Das Ende ist so böse, dass man Bauchschmerzen bekommt. Auch wegen seiner eigenen Gefühle.

Ob es bei anderen auch Spuren hinterlässt? Ich weiß es nicht. Aber ich frag mal nach.

Eine tolle Erfindung für alle, die eh immer online sind und den Wunsch haben, immer für andere verfügbar zu sein. So wie ich zum Beispiel. Es ist einfach herrlich, permanent dem Kommunikationsgott huldigen zu dürfen, in dem ich mich ihm als Opfer darbringe: immer erreichbar! Jedenfalls, wenn ich online bin.

Mittlerweile muss ich eine halbe Stunde früher aufstehen, als früher. Das Anmelden bei meinen diversen Kommunikationsstationen dauert einfach seine Zeit. Da wären natürlich die Rechner, die gestartet werden möchten, danach kommt das Mailprogramm, direkt im Anschluss öffne ich Skype, dicht gefolgt vom ICQ. Man kann ja nie wissen…

Wenn ich dann online meine Nachrichten beim Postfach des Business-Netzwerks abgerufen habe, wende ich mich den klassischen Geräten zu: den Telefonen, Anrufbeantwortern, Handys. Hierbei muss ich natürlich Text- und Sprachnachrichten checken.

Schade nur, dass man sich eigentlich nicht wirklich viel mehr zu sagen hat, als früher, dies aber nun über alle Wege zelebrieren kann. Vor einigen Jahren noch hat man sich überlegt, ob man sich überhaupt was zu sagen hat. Mittlerweile ruft man einfach an und versucht während des Gesprächs herauszufinden, ob man grade gesprächig ist.

Oder man ruft an, um Bescheid zu sagen, dass man dem anderen grade eine Email geschickt hat. Auch eine ganz große Sache. Ganz ähnlich überflüssig übrigens, wie Mineralwasser ohne Blubberblasen. Da kann man doch gleich aus dem Hahn trinken, oder? War in meiner Kindheit übrigens noch völlig normal, dies auch zu tun.

Ob das Wasser damals besser war oder wir einfach nicht so wählerisch? Ne, das kann nicht sein. Man siehe sich das TV-Programm an. Viel wählerischer ist man heute definitiv nicht.

Aber das ist wohl wieder ein ganz anderes Thema.


… ab. Und alle finden es super! Sollten sie auch. Ich müsste sie sonst definitiv aus meiner Freundes-Liste streichen und auf die Liste der unerwünschten Personen setzen. Und die ist schon sehr lang. So lang, dass ich mittlerweile überlege, einige der Betreffenden wieder auf die Freundesliste zu setzen und ihnen eine zweite Chance zu geben.

Man weiß ja nie, was sie daraus machen, oder? Vielleicht haben sie sich ja geändert, gebessert oder haben sich eine IQ-Schnellinjektion setzen lassen. Oder vielleicht habe ich mich auch mittlerweile so verändert, dass ich die kruden Vorstellungen einiger Menschen in meinem nahen und weiten Umfeld nun für gut befinden könnte.

Mmh, unwahrscheinlich. Aber ein spannendes Experiment. Ich werde das verfolgen.