Es gibt Tage, wie diesen, an denen können manche Frauen irgendwie schwer zu ertragen sein. Heute ist so einer bei mir. Jedes Klingeln des Telefons bringt die Nerven nah ans Zerreißen, das Reinholen der Post wird zu einer mittelschweren Sinnkrise und der Kaffee ist selbst nach fünf Minuten noch “irgendwie zu heiß”.

Das Lieblingsteil aus dem Kleiderschrank sitzt heute nicht so richtig, die Klamotten will man eh nicht mehr sehen und überhaupt scheinen die Hüften viel breiter geworden zu sein seit gestern. Auf jeden Fall wirken sie heute im Spiegel überdimensioniert.

Selbst die kurzen Haare verhelfen mir heute zu einem Bad-Hair-Day und der Eyeliner-Schwung missglückt auch beim vierten Versuch mit grandioser Regelmäßigkeit. Der Blick in den Schrank offenbart dann noch das Fehlen jeglicher Damenhygieneartikel und man ist ernsthaft versucht, sich eine Mullbinde aus dem Erste-Hilfe-Kasten umzufunktionieren. Das scheitert dann aber daran, dass das Ergebnis einfach nicht mit der dicken Hüfte zusammen in die Jeans passen will – jedenfalls nicht, ohne unschöne Dellen hervorzurufen, die jeden Mann neidisch gucken und beschämt auf seinen eigenen Schritt blicken lassen.

Erstrebenswert? Vielleicht, wenn ich besser drauf wäre. Aber nicht heute.

Da ich ja ein praktisch veranlagter Mensch bin, habe ich eine für mich optimierte Lösung: aufs Sofa legen (Achtung, Verbandskasten bei hellen Sofabezügen nicht vergessen – ansonsten hoffen, dass es keiner merkt…), den Mann anrufen und um einen Besuch bitten, um den benötigten Drogerieartikel vorbeizubringen, ganz laut den liebsten Musikmix auflegen und im Internet surfen.

Dabei dann grauenhafte Frauenilllustrierte und VIP-News konsumieren und hoffen, dass abends jemand da ist, der so einfühlsam ist, dass er die leicht gereizte Stimmung nicht noch als Grund für Hänseleien a lá “Na, kriegste deine Tage” nimmt.

Schönen guten Tag.