Ein Kommentar hat mich zu einem Resümee veranlasst, was sich verändert hat in den letzten sechs Monaten ohne. Ohne? Ja, ohne. Ohne lange Haare.

Einigen Bloglesern wird sicher mein innerer Kampf Anfang des Jahres nicht entgangen sein, als ich mich dem Thema Kurzhaarfrisur etwas intensiver widmete. Nach 20 Jahren mit langen Haaren musste einfach was anderes her.

Denn nur lange Haare, um lange Haare zu haben oder dekorativer auf dem Kissen auszusehen: nein. Meine langen Haare verschwanden meist im Laufe des Tages in einem Haargummi, um sie mir aus dem Gesicht zu halten. Offen ging nur nach aufwändigen Fön- und Rundbürstenaktionen, zu denen ich meist morgens weder Lust, noch Zeit hatte.

Abends konnte ich dann auch meist genau riechen, in welchen Lokalitäten ich mich tagsüber und abends befunden hatte, speicherten die langen Haare doch jedes “Duft”-Molekül – auch gegen meinen Willen. Um in Ruhe schlafen zu können, ohne Kneipengeruch direkt vor der Nase, musste ich sie nochmal waschen.

Frisörtermine kosteten selten unter 65 Euro. Scheinbar berechnen Frisöre nach Haarlänge, nicht nach Aufwändigkeit und Kreativität der Frisuren. Waschen, Spitzen regulieren, fönen, stylen. Teuer. Wenn man noch ein bisschen Farbe wollte, war die 100 Euro-Schwelle schnell überschritten.

Bei Bettaktivitäten litt meist der Mann unter den langen Haaren, mussten diese doch irgendwie gebändigt werden, um nicht in Nasen zu kitzeln und in Münder zu geraten. Anstrengend auch das ewige Freischaufeln des Ohres, um mal daran zu knabbern – ohne Haareinlage. Die “Hexennester” danach wieder zu entwirren war eine einzige Tortur. Bei diesen tollen Liebesszenen in Filmen sieht das alles immer ganz anders aus. Aber da haben die wahrscheinlich fünfzig Hairstylisten rumstehen, die immer für die richtige Fönwelle mit Haarspray und Klämmerchen sorgen. Bei mir zuhause sind die aber nicht…

Heute ist alles anders. Die Haare im Waschbecken können nicht mehr eindeutig als meine identifiziert werden. Die Säuberung der Bürste geht wesentlich schneller, morgens brauch ich selten einen Fön (sehr Energie sparend) und kann länger schlafen. Die Shampoo-Rationen sind deutlich geschrumpft und selten nur benötige ich eine Haarkur (wenn sie kaputt gehen sollten, schneid ich sie halt wieder ab…) oder Spülung, um mit der Bürste durchzukommen.

Im Urlaub muss ich nicht immer zum Wind stehen, um was sehen zu können, sondern seh auch mit dem Wind im Rücken alles. Beim Autofahren kann ich das Fenster öffnen, ohne die allgemeine Verkehrssicherheit durch temporären Blindflug zu gefährden. Bad-Hair-Days gibt es so gut wie gar nicht. Wenn die Haare zicken, nehm ich Gel und mach mir nen Iro. Hoch damit und gut ist.

Die Komplimente zu Frisur, Typ und Gesicht haben sich vermehrt. Die Komplimente von Männern erst recht. Bis auf einige wenige, die von sich selbst sagen, sie würden Frauen nur mögen, wenn die lange Haare hätten. Meinen Kommentar, ich fände intelligente Männer auch besser, wird mit Stirnrunzeln quittiert. Ich werde mehr als Frau mit Charakter, nicht als Langhaarkätzchen wahrgenommen. Im Geschäftsleben hört man mir aufmerksamer zu, nimmt die Ideen ernster und im Computerladen nimmt man mir durchaus ab, dass ich weiß, was ein Netzwerk ist und wovon ich spreche, wenn ich einen neuen Router brauche.

Wenn es regnet sehe ich amüsiert den hochtoupierten Damen nach, die hektisch und mit Handtäschchen über dem Kopf einen Unterstand suchen und wuschel mir kurz die Tropfen aus dem Haar. Und seh danach noch gestylter aus, als vorher.

In meinem Umfeld gibt es immer mehr Frauen, die sich die Haare abschneiden und sagen, dass sie das bei mir so toll fanden und ich ihnen Mut gemacht hätte. Viele andere sagen, sie würden so gern, aber trauen sich nicht, weil ihre Männer das nicht wollen… Kein Kommentar.

Einen Nachteil gibt es, der mir letzte Woche Freitag auf eine Metro-Party in Münster wieder schmerzlich bewusst wurde: Moshen ist nicht mehr. Wenn die Gitarren rocken, bleiben die Haare still. Schade, sieht man dann doch das leicht schmerzverzerrte Gesicht, weil man wieder merkt, dass der Nacken zu alt für sowas geworden ist….

Vorher:

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Nachher:

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