Wenn ich Pause mache, dann gehe ich runter in unseren Hof und kümmere mich ein bisschen um unsere kümmerlichen Topfgewächse prachtvollen Pflanzen, die dort langsam eingehen vor sich hin stehen.
Meistens nehme ich eine Gießkanne und tröpfel mal hier, mal dort in der Gegend rum. Dann tue ich so, als könne ich verwelkte Blätter von den gesunden unterscheiden und rupfe fröhlich drauf los. Dieser Vorgang dauert nicht länger als 15 Minuten und ich entschwinde wieder in Richtung Büroraum.
Manchmal jedoch passiert es, das ich beim Rupfen einen Löwenzahn, eine Zitronenmelisse, diverses Kleegewächs oder sonstiges Zeuchs zwischen unseren unglaublich hässlichen äußerst praktischen Pflastersteinen entdecke. Dann beginnt meine Reise über den Hof. Mit jedem Kraut, dass ich rupfe, sehe ich ein anderes, was noch zu rupfen ist. Irgendwann dann stehe ich auf, blicke auf Häufchen mit verwelkten Blättern und Löwenzahnknäueln und dann an mir runter. Was ich sehe lässt mich schaudern: aufgerissene Knie, dreckige Klamotten und Hände, abgeschrabbelte Fingernägel und Staubschwaden in den Haaren.
Dann bin ich froh, dass mich niemand sieht. Und dann ertönt die Stimme über mir: “Ach, guten Tag, Frau Nachbarin. Was macht das Universum?”




1 comment
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30 August 2007 um 6:28 Uhr nachmittags
stilke
hätte ich dich damals schon gekannt
dann hätte ich dich rechtzeitig über das universum und die blog-götter (dyonisos?) aufklären können… schade jetzt ist es vielleicht schon zu spät? in ein paar monaten (wenn es für den garten zu spät sein könnte) wird hier ein gärtner auftauchen - da bin ich mir sicher 
grausames schicksal- das!