Bei Ami habe ich grade ein bisschen was über die Erwartungen der Mütter an sich und die der Umwelt an sie gelesen… Da fing ich doch mal an zu grübeln und kam zu folgendem Ergebnis:
Meine Mutter ist die beste Mutter der Welt.
Weil sie eben keine “richtige” Mutter war/ist.
Wenn ich meine Schwiegermutter (aka SM) mit ihr vergleiche, fällt mir auf, wie unterschiedlich die beiden sind. Die SM möchte am liebsten alle um sich rum haben und diese betüddeln. Ihrem 40jährigen Sohn und mir würde sie gern noch die Wäsche waschen und wenn wir wollten könnten wir täglich zum Essen kommen. Wollen wir aber nicht.
Meine M ist da anders. Wenn wir zu Besuch kommen sagt sie: “ihr wisst ja, wo der Kühlschrank steht.” Ihren Besuch im letzten Jahr bei uns hat sie abgesagt mit den Worten “Seid mir nicht böse, aber ich möchte lieber meine Ruhe haben und meinen Urlaub zum Entspannen nutzen.”
Nicht, dass sie kein Familienmensch wäre. Sie hat uns schon gern um sich herum. Aber ebenso gern hat sie uns nicht um sich rum. Dann macht sie eben ihr Ding und lebt ihr Leben. Wenn wir da sind, sitzen wir bei Rotwein oder Whiskey zusammen und reden. Oder unternehmen was. Aber wenn wir weg sind, geht sie nicht vor Kummer ein.
Für die SM ein Zustand, den sie nicht verstehen könnte. Sie war Mutter mit dem idealen Mütter-/Hausfrauenbild aus der Clementinezeit und hat “dem Bub” noch mit 18 das Nutellabrot geschmiert. Wenn wir uns ein paar Tage nicht melden, ruft sie an und fragt, ob bei uns alles in Ordnung sei.
Bei meiner M ist das anders. Sie meldet sich sporadisch und sagt, wenn was passieren würde, würde sie das wohl direkt erfahren. Falls sie nichts höre, ginge es uns wohl gut. Ebenso weiß sie, dass wir uns schon melden, wenn wir was wollen – und dann kann sie es wenn möglich erfüllen.
Wir sind zu sehr selbstständigen und unabhängigen Geistern erzogen worden. Mein Mann ist auch unabhängig, jedoch fand der Abnabelungsprozess viel, viel später statt. Einige Nabelungen sind noch vorhanden und können auch nicht mehr gelöst werden. Zu eingefahren sind die Mechanismen. Zu fest die Strukturen. Zu alt die SM und der SV, um sich an eine andere Situation noch gewöhnen zu können.
Da lob ich mir meine Mutter, die immer ihre Hobbies hatte, die immer ihr Leben hatte und trotzdem für uns da war. Nicht immer. Zum Beispiel wenn wir die Situation allein meistern konnten. Auch, wenn wir es nicht glaubten. Aber im Nachhinein merkten, dass es ging. Und damit hat sie uns gezeigt, dass sie an uns und unsere Fähigkeiten glaubt. Das hat stark gemacht.
Die imperfekte Mutter ist die perfekte. So, und nun sehe ich dich heulen oder grinsen, Mater.



10 comments
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10 November 2007 um 1:00
IneS.
Danke.
Denn ich heule jetzt.
[Und verzieh mich wieder ins Bett.]
10 November 2007 um 2:26
stadtfrau
schöne liebeserklärung! die beschreibung deiner schwiegermutter passt genau auf michis mutter. und das ist schon komisch: seit fast 5 jahren ist er selber vater, aber daheim ist er noch immer “kind”. ebenso nervig: die lobeshymnen auf ihre kinder - wenn was schief geht sind die anderen schuld.
von meiner eigenen mutter hätte ich mir hingegen gewünscht, dass sie mehr interesse an mir gezeigt hätte, ich bin als sandwichkind irgendwie immer durchgerutscht.
10 November 2007 um 3:00
stilke
meine mama tut sich auch nicht gar so leicht, mit dem loslassen. aber sie versucht es wenigstens
ich hab hier noch einen ganz speziellen typ “SM” (sadomaso?): die, die klammert, um in ihren interessen zu manipulieren. also bemuttern aus reiner selbstsucht. das ist eine ganz grausame angelegenheit, weil das kind das leicht mit übertriebener fürsorge verwechselt und es nur einem aussenstehenden auffällt…
10 November 2007 um 4:19
wortteufel
Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht: meine SM ist eine sehr, sehr liebe Frau, die ich wirklich sehr gern habe. Aber leider finde ich sie nach spätestens zwei Stunden extrem anstrengend und es fällt mir unglaublich schwer nicht meinen Mund aufzumachen, wenn sie es mal wieder “nur gut meint” mit uns.
Aber, was wir uns immer vor Augen halten: sie sind alt und halt so und sollten sich auch nicht mehr ändern (müssen), nur weil unsere Zeit eine andere ist und wir andere Ansichten vertreten. Jedem so, wie er glücklich wird…
Ach, Mater, da fällt mir ein: ich habe grade den Highland Parks gekauft. Auf deinen Tipp und auf Raten eines anderen Whiskeykäufers in der Abteilung, der sagte, es sei genau, was ich suche (er hörte scheinbar unserem Gespräch schon länger zu). Also ein Whiskey für Leute, die nicht so strengen Whiskey trinken, wie ich. Und für mich vielleicht auch mal ein milderer Tropfen, statt meine extremen Raucharomen. Also: ich nehm die vielleicht mal mit, wenn wir kommen. Ach, erwähnte ich, dass wir kommen? Dezember. Mein Bruder ist auch dabei. Sagt er. Ohne Anhang. Nun müssen wir nur noch die Schlaffrage klären.
@ Ines: das war nicht meine Absicht
Hoffe, Dir gehts langsam etwas besser nach euren Chaostagen und Terrorgeschichten der letzten Tage und Wochen…
@ stadtfrau: Zum Glück ist die SM da nicht ganz so ausgeprägt, was die Schuldzuweisungen angeht. Eher ist sie immer sehr irritiert, wenn ihr Sohn einen Weg geht (z.B. beruflich), der so ganz anders ist, als sein Vater ihn jemals gegangen wäre… Und dann kommt immer “Na, Du wirst es schon wissen, oder?” und dann werde ich beiseite genommen und geimpft, ich müsse ihm das aber ausreden *seufz*
@ stilke: Deine Mutter ist aber nicht so nah dran, wie meine SM. Die wohnt nämlich fünf Minuten von hier. Meine M hingegen ist fast 300 Kilometer weg und. Manchmal wünschten wir, es wäre andersrum. Deine SM ist aber auch nochmal so ein ganz eigener Fall, den ich nicht mal geschenkt haben wollen würde. Selbst übertriebende Fürsorge ist irgendwann nicht mehr dem “Kinds”wohl dienlich, sondern blockiert.
10 November 2007 um 5:06
hape42
Ich meine grad, Du beschreibst meine Mutter
Dass es noch so eine gibt, hätte ich nicht gedacht…
10 November 2007 um 5:51
IneS.
Neinnein, so war das nicht gemeint… *schmunzel*… Mir war einfach so- warm ums Herz bei Deinen tollen Worten für Deine Mama…
[Und vielleicht wars doch so gemeint, denn gerne hätte ich auch ein paar warme Worte für meine Mama übrig... *andere Geschichte*]
Und jaaaa, ich geniesse die Ruhe sehr. Sehr sehr!
10 November 2007 um 6:54
stadtfrau
ja, meine quasischwiegermutter ist eh auch eine ganz liebe, ich würde dieses bemuttertwerden einfach nicht aushalten während ihre kinder das aber sehr genießen und nicht merken, dass da auch ein stück kontrolle dahinter steckt (hab ich aus einer psychologie-vorlesung: fürsorge ist auch kontrolle ;-)) und bei mir versucht sie es gsd nicht (mehr).
10 November 2007 um 7:06
wortteufel
Natürlich ist das Kontrolle. Vielleicht die geschickteste Art, seine Kinder für sich einzunehmen. Die nächste Phase ist dann irgendwann die der Vorwürfe: “Ich habe so viel für Euch getan.” oder “Ich war ja immer für euch da.”
10 November 2007 um 8:17
stadtfrau
oh… na dann hat sie diese phase aber auch schon erreicht. wenns ihr mal nicht so gut geht heißt es nämlich immer: “ich habe jahrelang immer alles hinuntergeschluckt” - als begründung dafür, dass sie jetzt das recht hat jedem zu allem ihre meinung zu sagen.
aber gut, ich darf sie jetzt echt nicht schlecht machen ;-), es gibt viele seiten an ihr, die sie zu einer tollen mutter machen.
10 November 2007 um 9:14
wortteufel
Tja, leider ist das nicht die Entschuldigung für Fehlverhalten. So nach dem Prinzip: wer oft genug Gutes getan hat, darf sich später öfter wie ein Schwein benehmen. Das funktioniert so nicht…