Diese ganzen Diskussionen über Erziehungsmaßnahmen haben mich mal zurückdenken lassen an die Erziehungsmethoden meiner Mutter. Und jetzt kommt auf keinen Fall eine Anekdote über Klapse auf den Hintern oder Hausarrest. Eher ein Beispiel, worüber ich heute schmunzeln kann, als Kind aber tausend Tode gestorben bin.

Einmal, es muss ein warmer Sommertag gewesen sein, denn wir waren ja draußen unterwegs, fuhren mein Bruder und ich mit meiner Mutter sowie der Nachbarin mit zwei ihrer Kinder gleichen Alters mit dem Zug in ein nahes kleines Städtchen in den benachbarten Bergen. Berge sind hier überhaupt nicht von Bedeutung, und vor allem heißen die nur so, sind aber laut dem Wortteufelmann lediglich kleine Huppel, aber ich wollte sie mal in die Geschichte mit einbauen. Einfach so.

Zurück zur Basis. Wir wollten in diesem Städtchen ins Freilichtmuseum und das angegliederte Freilichttheater zu einer Kinderaufführung gehen. Wir, die zwei “Großen” im Alter von 12 und eh schon viel zu groß für diesen Kinderkram, mussten mit. Die zwei “Kleinen” im alter von 7 Jahren waren hellauf begeistert.

Wir, die zwei Großen, waren dann wohl auch so, wie 12jährige sind, die furchtbar genervt von sowas sind und das ihren Müttern bitte auch mit aller Macht beweisen möchten. Wir nervten pubertär und jammerten und motzten um die Wette.

Und dann taten unsere Mütter etwas, was mich wirklich schockierte. Sie sagten, sie würden sich gleich furchtbar peinlich benehmen, wenn wir uns nicht benehmen würden… Und sie taten es. Sie salzten Autos. Ja, ihr hab richtig gelesen: sie salzten Autos. Jedenfalls taten sie so. Sie streuten mit imaginären Salzstreuern den vorbeifahrenden, verdutzten Autofahrern imaginäres Salz auf die Autos. Sie schauspielerten. Meisterlich. Und sie hörten nicht mehr auf.

Den ganzen Weg bis zum Freilichttheater salzten sie Autos. Wir, die zwei “Großen”, versunken vor Scham im Boden. Wie pubertäre Kinder dann halt so sind. Die zwei Kleinen fanden es furchtbar lustig und machten fröhlich mit. Wir, die “Großen” beeilten uns, endlich anzukommen, immer in der Angst, die Mütter könnten noch am Ziel weitermachen.

Sie taten es nicht. Wir taten aber auch nichts mehr, so groß war die Angst davor, unsere Mütter könnten wieder merkwürdige Dinge tun… Den ganzen Nachmittag und die ganze Rückfahrt über waren wir lammfromm. Klaglos und artig.

Noch Monate später drohte meine Mutter bei Ungehorsam in der Öffentlichkeit mit – in meinen damaligen, jugendlichen Augen – Peinlichkeiten. Sie musste nur drohen mit sowas wie: “Und wenn Du dein Zimmer nicht aufräumst, dann bring ich dich morgen zur Schule und küsse Dich zum Abschied vor der versammelten Mannschaft.” oder sie sagte “Soll ich wieder Autos salzen?”.

Ich kann euch sagen: das war eine verdammt harte Schule durch die ich gegangen bin ;)