Früher, als ich noch 20 oder 25 wurde (was natürlich noch nicht soooo lange her ist, bitteschön), war das Feiern von Geburtstagen irgendwie einfach. Man sagte ein paar Freunden Bescheid, kühlte das Bier runter, haute eine Gulasch- oder Hackfleischsuppe auf den Herd und sorgte für genügend Knabbereien. Die Freunde kamen, die meisten brachten nicht nur weitere Alkoholika, sondern auch noch weitere bis dato unbekannte neue Partner oder Bekannte mit und die Musik war laut.  Man hatte im besten Fall einen CD-Spieler, aber keineswegs einen MP3-Player, den man an die Anlage anschließen konnte. Manchmal hatte man auch einen Plattenspieler, den man zu solchen Gelegenheiten aber besser in Sicherheit brachte, denn es gab immer irgendwelche Banausen, die aus Antipathie zu einer Musikgruppe ihre Kippe auf dem Vinyl ausdrückten. (Und wenn ich die Drecksau jemals erwischen sollte, die mir und meiner The Who-Platte das angetan hat, dann werde ich ihn vierteilen. Und jedes Stück einzeln entsorgen.)

Gut. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Parties. Früher.

Früher machte man sich auch nicht so umbedingt Sorgen um die Folgen, die Nachbarn oder sonst was. Da kommt mir doch die Party bei einer Freundin ins Gedächtnis, die dermaßen außer Kontrolle geriet, dass die Polizei das Grundstück von circa 15 Rollern und ungefähr 40 ungebetenen Partygästen räumen musste. Für die Leute, die im Haus waren, brauchten sie dann noch Verstärkung…

Diese Party lief ungefähr so ab: wir waren 16 und ihre Eltern auf einer nordfriesischen Insel im Feriendomizil. Wir dachten uns, wir könnten ja mal so ein paar Leuten Bescheid geben, dass wir sturmfreie Bude hätten. Wir sagten also fünf oder sechs Freundinnen und Freunden Bescheid und freuten uns auf einen leicht angeschwipsten Abend mit Musik und Gegiggel.

Vier Stunden später hatten wir die Eingänge des Hauses nicht mehr unter Kontrolle. Eine Lawine an Leuten hatte von der Sache Wind bekommen (falls ich die Person jemals erwischen sollte, die das weitererzählt hat, mach ich mit ihr dasselbe, wie mit dem Typen mit der Vinylkippe. Echt jetzt!) und sich auf den Weg gemacht, das Haus zu rocken.

Was ihnen auch gelang. Horden wildfremder Menschen lümmelten sich in allen Zimmern des – sehr großen – Hauses und soffen und rauchten, was das Zeug hielt. Da der Weg zum Aschenbecher oft zu weit war, nahm man mit dem Teppichboden vorlieb. Hunger kam dann auch irgendwann mal auf und da die Tiefkühlpizzen nicht nach dem Geschmack der Hungrigen waren, landeten sie eben an den Wänden im ganzen Haus. Gleich neben die Zitronen vom Tequila.

Das Ehebett krachte irgendwann mit einem “Rrrrumps” ein, weil die Belastungsgrenze von geschätzten zwanzig kopulierenden Jugendlichen erreicht war.

Meine Freundin saß heulend eingesperrt im Bad. Ich versuchte die Leute aus dem Haus zu jagen. Doch mit jedem, der rausging, kam ein anderer zu irgendeinem Fenster wieder rein.

Die Nachbarn riefen die Polizei, weil sie sich von den Jugendlichen auf der Straße (und das waren wirklich viele…) belästigt fühlten.

Die Polizei kam und räumte.

Am nächsten Morgen besahen wir uns den Schaden. Die teuren Fische im Teich waren an einer Überdosis Nikotin aus Zigarettenstummeln und den Alkoholresten der geschätzten zweihunder Bierdosen und Flaschen elendig zugrunde gegangen. Nun ja. Wenigstens waren sie betäubt…

Es fehlten sämtliche Bürosachen aus dem Homeoffice des Vaters. Kleiderschränke waren ausgeräumt worden und Klamotten fehlten.

Wochen später begegneten wir einem Typen vor einer Disko, der eine Jeans mit Batikmuster anhatte. So eine, wie gestohlen worden war bei meiner Freundin. Sie sprach ihn an, ob das ihre Hose sei. Er schaute sie an, grinste und sagte “Sieht das etwa wie deine Hose aus?” und ging einfach weg.
Ihr Vater führte zwei Jahre lang Rechtsstreitigkeiten mit einigen der Jugendlichen. Die Polizei hatte ja genügend Personalien aufgenommen. Schadensersatzklagen, etc.  Leider klagten auch die Nachbarn gegen die Eltern der Freundin wegen der beschädigten Vorgärten…

Meine Freundin hatte drei Wochen Hausarrest.

Die Geburtstagsfeiern danach waren nicht so spektakulär. Eher gemütlich. Und auch nicht so verlustbehaftet, wie damals. Dafür muss man sich heute mit so leidigen Dingen wie “wen lad ich ein, wen muss ich einladen und wem bin ich eine Gegeneinladung noch schuldig” abgeben. Und auch die Gulaschsuppe reicht meist nicht. Da müssen noch Häppchen hin und die exklusive Käseplatte…

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.