Am dritten Tag wurde mir die Drainage gezogen. Dieses Ereignis ist einzuordnen in die Kategorie “Dinge, die die Welt nicht braucht”. Und wenn eine Ärztin schon mit dem Skalpell anrückt und dann sowas sagt, wie “Bitte atmen sie ganz ruhig ein und aus”, dann ist das nicht lustig. NICHT LUSTIG.
Ein bisschen erwartete ich, dass ein Stückchen Darm oder Leber mit dranhängt. Es fühlte sich jedenfalls so an. Und wenn meine Nerven schon blank lagen vom Stress der letzten Tage, so brach in dem Moment der Damm und die Schwester nutzte die Gunst der Stunde und nahm mir gleich in meinem Schockzustand noch die Braunüle raus.
Befreit von Fremdkörpern aller Art ging es mir nach einer Stunde plötzlich besser. Emotional.
Höhenfliegend schwang ich mich aus dem Bett (schwingen ist in dem Zusammenhang eher als ein ächzendes, windendes Hochhieven zu Verstehen, aber immerhin schaffte ich diese Meisterleistung am dritten Tag schon innerhalb von zwei Minuten) und machte meinen ersten Rundgang, um mal die Lage zu checken. Stations-Scan. Sozusagen.
Die Schwestern und Pfleger kannte ich ja schon. Die anderen Patienten noch nicht. Ich hätte es mir auch fast komplett sparen können… Die meisten waren ebenso schlurfende Bademantelgestalten wie ich, die ihre Zimmer verließen, um an der Kaffee- und Teebar für Nachschub zu sorgen. Oder ihre Wasserkrüge aufzufüllen, so sie denn dazu in der Lage waren. Denn nicht nur ein Krug kann brechen, wenn er zum Wasserloch getragen wird. Auch Patienten können das. Riecht komisch, ist aber so.
Auf- und Abspazieren auf dem Stationsflur wird nach dem dritten Mal auch langweilig. Nein, eigentlich schon früher. Aber man wird anspruchsloser, was die Unterhaltung angeht. Und so pendelte ich zwischen dem Trakt mit den Frischoperierten und den Frischlingsgebärenden hin und her. Mein Zimmer lag strategisch günstig in der Mitte, links ein Technikraum, rechts ein Lager, also schön ruhig. Gegenüber das Zimmer für das Pflegepersonal, so dass ich immer genau hörte, wann ich das Handy ausmachen musste, weil die Visite oder das Essen angerollt kamen…
Abends dann ein persönliches Highlight: das erste Duschen. Boah. Ist Duschen toll.




14 comments
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30 März 2008 um 5:22 Uhr nachmittags
stilke
ja duschen kann wirklich geil sein
das mit der drainage kann ich unterschreiben. blöd, wenn das ding schmerzhaftes beinahe raus geht und ein roher/gefühloser assi-arzt es wieder weiter reinsteckt…
und keine berühmt-berüchtigte 3ter-tag-danach-depri?? oder kommt die noch?
30 März 2008 um 6:16 Uhr nachmittags
wortteufel
Liebe Stilke, ich hatte die berühmte “zweiter-bis-fünfter-Tag”-Depri
30 März 2008 um 6:44 Uhr nachmittags
Unterholzbewohner
Mönsch, da hammse ja ne halbe Odyssee hinter sich…Guteste Besserung weiterhin! Ich lese übrigens die Krankenhaus-Passagen mir dem höchsten Interesse, arbeite ich doch dran, dass es in solchen Anstalten noch schöner wird
30 März 2008 um 7:09 Uhr nachmittags
madameklutze
Oh Gott Drainage!! Als meine damals rausgezogen wurde, sagte der Arzt zu mir “So einmal kräftig husten, ein kleiner Zug und weg ist das Ding”

Mein Hausarzt bestätigt mir jedes Jahr ein sehr gutes Lungenvolumen, aber soviel langgezogenes Husten (um angeblich den kl. Schmerz beim Ziehen der Drainage nicht so zu verspüren), dass schaffe ich nicht mal am Morgen nach einer laaaaaaaaangen und extrem verrauchten Partynacht.
Nochmals gute Besserung und in ein paar Tagen klappt es auch wieder mit dem relativ schnellen vom liegen in die Höh kommen
30 März 2008 um 8:37 Uhr nachmittags
Andrea
Nach zwei Kaiserschnitten und einer großen Bauch-OP aufgrund eines Tumors in meinem Becken weiß ich genau wovon du schreibst.
Echt ätzend das alles!
31 März 2008 um 9:03 Uhr vormittags
rebenwanderin
Liebe Frau Wortteufel, ich schicke Ihnen hiermir noch weiterhin eine gute Genesung und hoffe, daß Sie das Märtyrium bald vergessen und abhaken können. Ich finde OPs auch sehr traumatisch..allein die Fahrt IN den OP. Man fühlt sich so ausgeliefert. Und zur Drainage kann ich nur sagen - ich hatte Schiss ohne Ende, daß ich nach meinem Kaiserschnitt auch wieder eine haben würde.
Wahrscheinlich können Sie auch noch nicht ohne Schmerzen husten und lachen, deshalb alle blogger: bringt die arme Frau Wortteufel nur zum schmunzeln, aber nicht zum Lachen
In diesem Sinne , alles Gute.
31 März 2008 um 9:50 Uhr vormittags
wortteufel
Danke für die Genesungswünsche.
@ Unterholzbewohner: Dann sollte man mal beim Essen anfangen! Kein Wunder, dass man da abnimmt bei diesem massenkompatiblen Einheitsfraß. Da schmeckt die Suppe wie das Gemüse wie das Fleisch (?). Dann der Geruch! Man wird krank vom Geruch da. Ehrlich. Und das, was wirklich alles besser machen würde: eine bessere Bezahlung der Leute, die da arbeiten. Besonders der Putzfrauen… Vielleicht putzen die dann auch mal in den Ecken. Oder putzen das Bad, statt sich da einzuschließen und zu telefonieren. Aber das erzähl ich dann auch nochmal in einem gesonderten Beitrag
@ madameklutze: Ja, glauben die Ärzte denn, man kauft denen alles ab? Die sollten einfach sagen, dass es schmerzhaft sein kann. Fertig. Aber dieses Kindertheater mit Husten und so? Völlig abartig. Da fühlt man sich nicht nur ausgeliefert, sondern auch noch verarscht.
@ Andrea: Ach Du Scheiße. Das ist ja grauenhaft. Hoffe, es war der letzte Tumor, den sie Dir entfernen mussten. Himmel. Und dann noch zwei Kaiserschnitte? Wie konntest Du Dir das nach dem ersten Kind nur antun? *schüttel*
@ rebenwanderin: Herzlichsten Dank
Aber: Schuuu schpääät
Habe schon gelacht – und es bereut
Ja, bei fast 400 neuen Blogeinträgen ist der ein oder andere Lacher schon dabei 
31 März 2008 um 10:59 Uhr vormittags
stadtfrau
ich bin so ein schisser, schon wenn ich deinen bericht hier lese wird mir schlecht, du bist für mich also die heldin des tages, ach was sag ich, mindestens des halbjahres!
31 März 2008 um 11:05 Uhr vormittags
wortteufel
*coolmodus ein* Alles halb so wild
*coolmodus aus*
Die besten Stories kommen ja noch
Ab Tag 4 war ich ja “auf Trebe”…
31 März 2008 um 11:20 Uhr vormittags
littleb
Willkommen zurück im Leben! Ich freue mich sehr zu lesen, dass alles so weit wie möglich glimpflich verlaufen ist.
Ich wünsche weiterhin GUTE BESSERUNG, viel Entspannung und dass es das gewesen ist!
OXO
31 März 2008 um 11:22 Uhr vormittags
amidelanuit
ach. und ich kriegs mal wieder zu spät mit. ich wünsche gute besserung, bauchschonung deluxe und glitzy fitwerdung:)
(sahen die ärzte gut aus? so dempsey mässig?)
31 März 2008 um 3:02 Uhr nachmittags
Andrea
Ich hoffe auch, dass ich nicht nochmal aufgeschnitten werden muss.
Antun ist das falsche Wort. Ich hatte zwei wirklich schöne Geburten. Beide Sektios waren traumhaft. Klar, auf die Scheißschmerzen hinterher hätte ich gut verzichten können. Und auf die Narben auf meinem Bauch auch.
Die Kaiserschnittnarbe (eine für beide) sieht man ja nicht weil waagerecht, aber die vom Tumor ist senkrecht und geht von kurz überm Bauchnabel 14 cm runter. Schitte sieht das aus.
Aber dafür habe ich zwei süße Mäuse und kann laufen (wäre nämlich wahrscheinlich im Rollstuhl gelandet, wenn der Tumor weiter gewachsen wäre. Auf diesem Wege nochmal ein Loblied an meine damalige Gyn, die ihn entdeckt hat.)
Dir, weiterhin gute Besserung. Wird scho.
31 März 2008 um 3:11 Uhr nachmittags
wortteufel
Hilfe. Das braucht ja wohl kein Mensch!
Warum hat unser Körper eigentlich so verdammt viele Fehlfunktionen? Fällt das schon unter natürliche Selektion oder ist das einfach nur der echt fiese Humor unseres Schöpfers? (Wer auch immer das sein mag)
31 März 2008 um 4:06 Uhr nachmittags
Andrea
Ich nehme den fiesen Humor;-).
Nee, keine Ahnung. Der eine hat halt Glück, der Andere Pech. Ich hoffe, mein Pech ist aufgebraucht. Mein Bedarf ist jedenfalls gedeckt. Wenn ich dir erzählen würde, was ich mit meinen 33 Jahren schon für einen Scheiß mitgemacht habe (von Alkoholsucht der Eltern über den Tod der Mutter bis hin zur Krebserkrankung des Vaters) würde jeder sagen, dass mal jemand Anderes dran ist.
Aber ich will nicht jammern. Hauptsache dir geht es bald wieder richtig gut.