… auf meiner Couch.

Ne, ehrlich jetzt. Denn da laufen mir wenigstens nicht so viele Degenerierte über den Weg. Denn was soll ich sagen? Irgendwann müssen auch Halbtote Schwerstkranke Freshoperierte einkaufen gehen und die heimischen Erkältungs- und Mu.coso.lvanopfer versorgen.

(Muco.sol.was? Genau! Wir haben die Ursache des nächtlichen Undichteanfalls des Wortteufelmanns rekonstruiert: nachdem wir alles durchgegangen sind, was der Gute so gegessen hat am Tag und Abend davor und feststellten, dass bei einer Noroseuche im heimischen Domizil ja auch ich betroffen sein müsste, kamen wir auf den Hustensaft. Und beim Durchstöbern der Liste von Unwegbarkeiten, die einen nach der Einnahme des süßen Sirups ereilen kann (übrigens total out mit Beipackzettel… Boah, wie uncoool) dann die Bestätigung. Als Nebenwirkung ist “sehr häufig” Erbrechen und Durchfall genannt. Dann doch lieber Husten…)

Und so stieg ich dann in die Buchstabenrennsemmel und fuhr gen Einkaufsparadies (natürlich am Big-Brother-Discounter vorbei. Ein bisschen Solidarität muss mal sein. Ihr wisst schon: Karmapunkte). Auf dem Weg dorthin habe ich etwas entdeckt: vor mir fuhr ein Auto mit “allergiegetestetem Innenraum”. Dass es sowas gibt? Nur: wie steigt der Fahrer da ein bei Pollenflug? Nicht alle von uns haben schließlich eine sterile Garage zuhause mit dem Pollenabzugssystem (Pollen! Nicht Polen!). Ok. Sollte zwar jeder haben. Aber bis wir soweit sein werden :roll:

Kurzer Stopp an der Bäderausstellung (wir sind ja noch nicht fertig mit der Renovierung und ich hatte dem Wortteufelmann versprochen, mal nach den Badmöbeln zu gucken). Und nach vier Minuten fragte ich mich, warum nicht mehr Eltern ihre Kinder an Raststätten aussetzen. So wie die armen Hunde, die dort in der Ferienzeit angebunden werden. Nee, ehrlich jetzt.

“Marten-Levin! Läufst Du bitte mal nicht so hier rum?” Ruft das überforderte Muttertier in mein rechtes Ohr. Natürlich als Frage formuliert, damit Marten-Levin auch bitte noch die Möglichkeit hat, die Alternative zu wählen, nämlich weiter da so rumzulaufen und Freshoperierte mal so richtig zu nerven. Kurz hoffte ich ja, dass mich dieses Halbwuchsmonster anrempelt, denn dann wäre die Gro.he-Armatur gaaanz schnell als bewußtseinsdämpfendes Hilfsmittel an den Kopf dieses Anstaltsauswuchses geflogen. Wie man sich denken kann, wählt Marten-Levin die Alternative und läuft wie ein aufgedrehter Tausenfüßler, dem man an einer Seite die Beine ausgerissen hat, immer im Kreis um die ausgestellten Bäder 45 und 46 drumrum.

“Katharina-Lena! Läufst Du bitte nicht so weit weg?” Wieder eine sehr laut gestellte Frage in mein rechtes Ohr. Ich erwäge die Unterdrückung der Kampffragen der Mutter durch einen schnellen Handkantenschlag auf den Kehlkopf, überlege ob mir der Gefängnisaufenthalt meine Ruhe wert ist, entscheide mich dagegen und freue mich, meinen Pazifismus ein Opfer gebracht zu haben.

Katharina-Lena läuft derweil weiter weg. Ich freu mich ja darüber. Irgendwie. Denn Katharina-Lena und Marten-Levin bekommen scheinbar trotz ihres noch sehr jungen Alters (maximal sechs Jahre mag Katharina-Lena auf die Waage bringen – denn da turnt sie grade rum) schon in den Genuss von zu viel Koffein. Oder sogar noch aufputschenderen Sachen… Katharina-Lena läuft weiter und ist nicht mehr zu sehen. Ihre Eltern auch nicht. Denn die sind ein paar Bäder weiter.

Katharina-Lena kommt um die Ecke. Heulend. “Mama, Papa! Wo seid ihr? Wo seiiiiiiid ihr?” Wenn ich etwas noch beschissener als dauernervende Blagen und ihre erzieherisch nichtsnutzigen Erzeuger finde, sind das Heulsusen. Heulsusen waren mir schon als Kind ein Graus. Die Kinder, die einen auf dicke Hose machen, nicht hören (können) und dann zu Mami laufen, wenn die nicht mehr im Blickfeld ist.

Und was macht Mami? Nicht, dass sie Töchterchen ein “Das haste jetzt davon, Dumpfschnauze. Hör auf zu jammern, Du Weichei.” entgegenschleudert – nein! Sie nimmt Katharina-Lena in den Arm und bemitleidet das verzogene Gör auch noch, dass gleichzeitig nach ihrem kleinen Bruder Marten-Levin tritt, der grade seine Kreise um die beiden Jammerweiber dreht. Ganz großes Kino! Nun heulen also Marten-Levin und Katharina-Lena um die Wette um die Aufmerksamkeit der Mutter und haben das erreicht, was sie wollten: Stören um jeden Preis.

Ich hatte dann zum Glück alle Infos, die ich brauchte und machte die Biege. Hält ja niemand länger als nötig aus. Kann man nicht eine Zwangsabgabe von hyperaktiven Halbgnomen am Eingangsbereich erwirken? Nun ja. Worscht.

Ich also raus. Vorbei an etwas, dessen Existenz ich einfach nicht nachvollziehen kann: Grillhähnchenstände im völlig desolaten Zustand. Ich meine da nicht diese modernen Bratküchen auf Rädern, sondern diese umgebauten Wohnwagen, die ihre Zelte auf Privatparkplätzen aufgeschlagen haben und deren Geruch nicht Appetit macht, sondern den Fluchtreflex bedient. Meist sind diese Wagen mit vom Eigentümer selbst ausgeschnittenen Folienbuchstaben in eckiger Form beklebt und strotzen vor Fehlern und Aussprüchen á la “krass krosse Brahthänchen”. Kennt ihr, oder?

Ich freu mich mittlerweile nur noch auf das Auto, mach mir die Sitzheizung an und kutschiere nach Hause. Von so viel Pappnasen nach zwei Wochen Abstinenz muss ich mich erstmal erholen. Näää. Aber sowas von. Ich versteck mich jetzt auf meiner Couch und geh da nicht mehr raus. It’s a jungle out there!