Ich bin ja ehrlich. Meine persönlichen Erfahrungen mit Laubenpiepern sind völlig andere als die, die ich im vorherigen Bericht aufschrieb. Nämlich so gut wie keine…
Ein Schwank aus meiner Jugend (Mama, bitte lies nicht weiter…): Wir waren 16 Jahre alt und eingeladen auf einer Geburtstagsfeier, die in einer Kleingartenkolonie stattfinden sollte. Die Kleingartenkolonie war irgendwo beim Fernsehturm in Münster. So viel wussten wir. Eigentlich wussten wir noch mehr, aber die Freundin, die die Adresse aufgeschrieben hatte, hatte diese glorreich zuhause vergessen.
Das fiel aber erst auf, als wir aus dem Bus stiegen “irgendwo in der Nähe”.
Wir begannen also und spiralförmig dem Ziel zu nähern. Oder dem, was wir für uns als Ziel definiert hatten: eine Kleingartenkolonieanlage in unfassbarer Ausdehnung. Man konnte das Ende der kleinen Dächlein kaum sehen, so groß war diese Anlage.
Und wir fanden keinen Zugang. Wir liefen und liefen und liefen an Zäunen und Bretterkonstruktionen vorbei, ohne dass sich sowas wie eine Pforte in dieses Blumenkohlheiligtum auftat. Wir liefen eine Stunde. Und hatten doch gar nicht so viel Zeit, denn die Freundin musste um 23 Uhr wieder zuhause sein. Und wir hatten schon 21 Uhr.
Irgendwann fanden wir den Eingang. Mit großen Buchstaben stand der Name der Kolonie auf einem Schild über dem Tor angeschlagen. Wir schauten uns an und überlegten, ob der Name uns was sagen würde und fanden ihn wenig bekannt. Aber wie Jugendliche so sind, schoben wir den unbekannten Namen auf unser schlechtes Gedächtnis.
Wir enterten das Piepenparadies. Und verirrten uns.
Nach einer weiteren Stunde intensiver Suche, die uns an befremdlich schauenden, neugierig kneisternden und unverhohlen misstrauisch glotzenden Kleingärtnern vorbei führte, setzten wir uns hin, um zu beratschlagen. Wir hatten keine Ahnung, wo wir waren, ob das der richtige Pflaumenzuchtverein war und wo diese Geburtstagsfeier stattfinden solle.
Der Mut der Verzweifelten trieb uns dann an die Pforte eines Handtuchgartens und wir sprachen den stolzen Besitzer der Holzhütte mit einer Armee von Gartenzwergen an, ob er denn wisse, wo die Geburtstagsfeier von XY sei. Er sagte, er glaube, dass sechs Gänge weiter einer Geburtstag feiere.
Wir also hin.
Dort angekommen trafen wir auf eine Menge feiernder Leute. Wir kannten niemanden. Was uns aber nicht weiter irritierte, denn das Geburtstagskind entsprang einer anderen Clique – und damals hatte man mit anderen Gruppierungen (womöglich sogar Poppern…) nichts zu tun.
Wir gesellten uns dazu, wurden mit großem Hallo empfangen und versuchten, die Gastgeberin zu orten. Das gelang uns nach einer halben Stunde. Nein, eigentlich hatten wir sie schon vorher gesehen. Aber wir hatten sie nicht als Gastgeberin identifiziert. Sie war uns gänzlich unbekannt.
Bevor der Irrtum auch auf Gegenseite bemerkt würde, machten wir uns aus dem Staub und setzten uns auf einer dieser Gartenbänke, die auf den Wegen rumstanden.
Zum Glück hatten wir ein Partymitbringsel dabei: eine Flasche Martini.
Wir saßen also ein einer Kleingartenanlage unbekannten Ausmaßes, an einer Stelle, die wir nicht mehr definieren konnten in der Dämmerung, hatten keine Ahnung, wie wir dort wieder rausfinden sollten – und kippten uns Martini in den Kopf. Ein Gesöff, dass ab da bei uns einen gewissen Kultstatus erreichte.
Wie wir nach Hause gekommen sind? Wir hängten uns heimlich an ein paar Laubenpieper und folgten ihnen zum Ausgang. Die Haltestelle befand sich nur 200 Meter entfernt (wir waren anfangs einfach mal anders herum gelaufen…) und der Bus kam direkt um die Ecke.
Hach, schöne alte Zeit…




4 comments
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27 April 2008 um 10:30 Uhr vormittags
bigi
Das kann ich mir gut vorstellen. Mein Pruder “bewohnt” auch so eine riesige Kolonie, da findet man mit Routenplaner nix
Unsere Mikrokosmos is da eher mit 87 Gärten überschaubar. Obwohl da auch ab und an Leute verzweifelt ihre Runden drehen, weil einige Gärten von außen nicht einsehbar sind und die Leute desrum nicht
gesehengefunden werden (obwohl wir alle hüpsch durchnummeriert sind und sogar einen Straßennamen haben)27 April 2008 um 10:30 Uhr vormittags
bigi
Mh ich üb dat noch mit dem durchstreichen
27 April 2008 um 11:02 Uhr vormittags
wortteufel
So richtig?
27 April 2008 um 11:27 Uhr vormittags
bigi
Jupps, man dankt